Schießstand

Ich war auf dem Schießstand. Das erste Mal in diesem Jahr. Die letzten Wochen bestimmten, Schnee, Kälte, graue Tage und dunkle Nächte, meinen Alltag. Ich musst einfach mal wieder raus.
Ich hätte auch spazieren können. Doch ich brauchte eine Aufgabe. Schießen kam mir spontan in den Sinn. Unter der Woche schaffe ich es nicht. Der Samstag ist der einzige Tag an dem ich Zeit habe.
Tresor auf. Waffe ins Futteral. Patronen in die Munitionskiste. Alles mit Vorhängeschloss sichern. Los.
Im Auto Spotify an. Ruhige Musik. Gedanken haben Luft zum Atmen. Es schneit. Die Scheibenwischer arbeiten. Die Scheibenheizung sorgt für einen kontinuierlichen Schmierfilm auf der Windschutzscheibe.
Der Wagen kennt den Weg. Routinefahrt. Die Musik beruhigt mich. Eine Woche vor der Schießprüfung habe ich keine Tontaube getroffen. Das zerrte an meinen Nerven. Kreuzdominanz. Seitdem habe ich immer so ein Gefühl von Leistungsdruck, wenn ich zum Schießstand fahre. Allerdings nur hier, auf anderen ständen habe ich diesen Druck nicht.
Drei Jahre danach und das Gefühl ist immer noch da. Nicht mehr stark, aber da.
Angekommen. Nicht viel los. Ein paar Autos. Ein paar Gesichter. Ich melde mich an. Jagdschein vorgelegt. Mitgliedschaft in der Jägerschaft bestätigt.
Gehörschutz, Waffe, Munitionskiste. Auf zum Stand. Laufender Keiler, Wildtierscheiben. Beide belegt. Der Warteraum ist kalt. Die Box zum Einschießen frei. Also los.
Waffe aufgelegt. Vier Schuss Cineshot. Vier Kugeln ins Ziel. Streukreis perfekt. Der Schalldämpfer qualmt. Ich bin fertig. Zur Kontrolle noch ein Schuss Jagdmunition. Passt.
Ich packe zusammen. Bezahl die Gebühr. Fahre nach Hause. Ruhige Musik. Weiße Landschaft.
Tresor auf. Waffe und Munition zurück. Tresor zu. Ich war aktiv. Bin zufrieden.