Wenn es still wird, merkt man erst, wie laut es vorher war. Nicht nur außen. Auch im Kopf. Plötzlich fehlt etwas. Ein Gespräch. Ein Termin. Eine Aufgabe. Und dann taucht die Frage auf, die man sonst gut überhören kann. Was bleibt, wenn es ruhig wird?
Ruhig werden kann sich wie ein Rückschritt anfühlen. Als würde nichts passieren. Als wäre man raus. Als hätte man den Anschluss verloren. Ich kenne dieses Gefühl. Vor allem dann, wenn man gerade dabei ist, sich in eine Gemeinschaft einzufinden. Jagd hat viel mit Gemeinschaft zu tun. Mit Austausch. Mit Nähe. Mit Regeln und Menschen. Wenn das wegfällt, entsteht schnell der Gedanke, dass man scheitert.
Für mich ist Ruhe aber eher ein Übergang. In der Ruhe zeigt sich, was wirklich trägt. Nicht die Termine. Nicht die Gruppe. Nicht das Dabeisein. Sondern meine Ausrichtung. Also das, woran ich mich innerlich halte. Meine Werte. Meine Haltung. Das, was bleibt, wenn keiner von außen etwas erwartet.
Gerade als Jäger kann diese Phase schwer sein. Weil man Jagd oft mit Draußensein verbindet und mit gemeinsamer Zeit. Mit Gesprächen am Auto. Mit Absprachen. Mit jemandem, der sagt, was als Nächstes passiert. Wenn das fehlt, steht man auf einmal wieder bei sich selbst. Und das fühlt sich manchmal leer an, obwohl es eigentlich nur still ist.
Ruhe ist nicht automatisch Einsamkeit. Ruhe kann auch Ordnung sein. Ordnung im Kopf. Ordnung im Blick. Ordnung in dem, was man will und was man nicht mehr will. Es gibt eine Art von Ruhe, die nicht wegdrückt, sondern aufräumt. Sie nimmt das Überflüssige raus. Und sie lässt das Übrige deutlicher werden.
In dieser Zeit halte ich bewusst fest, an dem was bleibt. Nicht als Leistung. Sondern als Orientierung.
Was lerne ich gerade.
Was übe ich.
Welche Gedanken kehren wieder.
Welche Haltung wird klarer.
Manchmal merkt man erst in der Ruhe, dass man vorher vieles gemacht hat, um sich nicht fühlen zu müssen. Um nicht nachdenken zu müssen. Um nicht entscheiden zu müssen. Und manchmal merkt man, dass Ruhe genau der Ort ist, an dem Entscheidungen reifen.
Wenn ich ehrlich bin, ist die Ruhe für mich auch ein Test. Nicht im Sinne von bestehen oder durchfallen. Sondern im Sinne von Wahrheit. Bleibe ich bei dem, was mir wichtig ist, auch wenn keiner zuschaut. Auch wenn es keine Rückmeldung gibt. Auch wenn ich keinen Platz in einer Gruppe spüre. Wenn ja, dann trägt es wirklich.
Und wenn nicht, dann zeigt mir die Ruhe, wo ich mich bisher nur an Dingen festgehalten habe, die von außen kommen. Dann kann ich nachjustieren. Ohne Druck. Ohne Eile. Aber klar.
Zum Schluss eine Frage, die ich mir selbst stelle.
Kannst du Ruhe aushalten?
