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  • Waidmannsheil

    Gedicht von Oskar von Riesenthal

    Das ist des Jägers Ehrenschild,
    Daß er beschützt und hegt sein Wild,
    Waidmännisch jagt, wie sich’s gehört,
    Den Schöpfer im Geschöpfe ehrt!

    Das Kriegsgeschoß der Haß regiert, –
    Die Lieb’ zum Wild den Stutzen führt:
    Drum denk’ bei Deinem täglich Brot
    Ob auch Dein Wild nicht leidet Noth?

    Behüt’s vor Mensch und Thier zumal!
    Verkürze ihm die Todesqual!
    Sei außen rauh, doch innen mild, –
    Dann bleibet blank Dein Ehrenschild!

  • Neue Türen öffnen sich

    Neue Türen öffnen sich

    Seitdem ich das Buch der Heros in Tausend Gestalten von Joseph Campbell gelesen habe, betrachte ich die einzelnen Etappen meines Lebens durch die Lupe der Heldenreise. Bevor der Held zum Helden wird, durchläuft er verschiedene Prüfungen, trifft auf Widersacher, verbündete und begibt sich auf eine Reise, dessen Ausgange unbekannt ist.
    In meinen Leben habe ich einige schwere Prüfungen durchlaufen, und mein Leben hat sich immer ein Stück weiterentwickelt und verbessert. Aus Jagdlich Sicht betrachtet stehe ich Aktuell vor der Herausforderung, kein passendes Revier zu finden.
    Mir ist bewusst, dass es eine gewisse Zeit dauert, bis ich in einem Revier ankomme. Davor wird es, wie in der Heldenreise, Prüfungen geben, denen ich mich stelle. Es werden Widersacher auftauchen, die mir ein Revier nicht gönnen. Es wird Verbündete geben, die mich fördern. Und es wird Stunden geben, in denen ich entscheide, was für ein Jäger ich bin und welcher Gruppe ich mich anschließe.
    Das bedeutet für mich kein Trübsal, denn da draußen wartet ein Revier auf mich, das wie der decke auf den Topf passt.

  • Es kann Angst machen

    Es kann Angst machen

    Es gibt Tage, da hört das Gedankenkarussell nicht auf zu drehen. Nicht nur ein paar Gedanken, sondern ein ständiges Kreisen. Genau diese Tage können Angst machen. Weil ich merke, wie wenig ich gerade in der Hand habe. Und weil ich spüre, wie sehr mir Jagd und jagdlicher Anschluss fehlen.

    Als Jäger ohne Jagdgelegenheit werden daraus schnell konkrete Fragen. Wo finde ich Anschluss. Wann kann ich endlich wieder jagen. Was mache ich in der Zwischenzeit ohne Revier. Das sind keine Luxusprobleme. Das sind Fragen nach Richtung und Sinn. Und wenn keine Antwort kommt, wird der Kopf laut.

    Dann steht da noch ein weiterer Anspruch. Ich will mich weidgerecht verhalten. Ich will kein Wild stören. Ich will kein Tier aus seinem Einstand drücken, nur weil ich selbst Ruhe suche. Genau da entsteht eine Spannung. Ich möchte Natur beobachten, Stille genießen, vielleicht Wild sehen. Aber ich will nicht in fremden Revieren unterwegs sein, als wäre es mein eigener Raum. Dieses Spannungsfeld kann belasten. Weil es mich zwingt, Grenzen zu akzeptieren.

    Die Kunst ist für mich, mich in solchen Augenblicken nicht entmutigen zu lassen. Nicht in dem Sinn, dass ich mir alles schönrede. Sondern in dem Sinn, dass ich handlungsfähig bleibe. Ich kann an der Lage gerade wenig ändern. Aber ich kann an meiner Haltung arbeiten. Und ich kann dafür sorgen, dass das Gedankenkarussell nicht die Führung übernimmt.

    Weiterbilden durch Lesen hat noch nie geschadet. Und es vertreibt kein Wild. Das ist kein Ersatz für Praxis. Das weiß ich. Theorie bleibt Theorie, solange ich sie nicht im Revier erlebe und überprüfe. Trotzdem ist es besser, als den Kopf in den Sand zu stecken und nichts zu tun. Denn Nichtstun macht die Fragen nicht leiser. Es macht mich nur kleiner.

    Als Jäger bin ich aus ethischen Gründen verpflichtet, mich weiterzubilden und mein Wissen aktuell zu halten. Das ist für mich nicht nur eine Floskel. Es ist eine Haltung. Wer Wild nutzt, trägt Verantwortung. Und Verantwortung verlangt, dass ich lerne. Über Wildbiologie, über Verhalten, über Jahreszeiten, über Sicherheit, über Handwerk, über den eigenen Charakter. Damit ich nicht erst in der Situation anfange zu überlegen, wenn es ernst wird.

    Darum kann es in solchen Phasen nicht schaden, wenn ich in Bewegung komme. Bewegung heißt für mich nicht, planlos irgendwo herumzulaufen. Bewegung heißt, mich aktiv mit mir selbst zu befassen. Mit meinen Werten. Mit meinen Motiven. Mit dem, was mich antreibt und mit dem, was mich unruhig macht. Denn wenn ich später wieder eine Jagdgelegenheit bekomme, will ich nicht als Getriebener dort stehen. Ich will als verlässlicher Jäger dort stehen.

    Es kann Angst machen, wenn ich merke, dass ich gerade warten muss. Aber Warten ist nicht automatisch Stillstand. Wenn ich die Zeit nutze, um ruhig zu bleiben, zu lernen und meine Werte zu schärfen, dann wächst etwas, das ich später brauche. Dann wächst die Fähigkeit, weidgerecht zu handeln, auch wenn es wieder möglich ist.

    Meine Erkenntnis ist klar. Angsttage sind nicht das Ende meines Weges als Jäger, sie sind ein Prüfstein für Haltung und Disziplin.

    Was tust du an Tagen, an denen dein Gedankenkarussell nicht aufhört, und welche eine Sache würdest du ab heute weidgerecht anders machen?

  • Der Selbstwert steigt

    Der Selbstwert steigt

    Ich kenne den Druck etwas festhalten zu wollen. Eine Jagdgelegenheit. Einen Anschluss. Eine Aufgabe. Wenn es wackelt dann wird es im Kopf laut. Dann will man schnell eine Lösung. Schnell ja sagen. Schnell bleiben. Hauptsache nicht wieder ohne dastehen.

    In dieser Phase hilft mir nicht mehr Aktion. Mir hilft Abstand. Wenn ich ruhig werde dann sehe ich klarer. Nicht weil die Lage plötzlich leicht ist. Sondern weil ich mich wieder spüre. Ich höre wieder den Ruf meiner Werte. Und ich merke ob ich gerade aus Angst entscheide oder aus Haltung.

    Wenn ich bei mir bleibe dann ändert sich etwas Entscheidendes. Ich brauche weniger Bestätigung von außen. Ich muss nicht jedem gefallen. Ich muss nicht jede Tür offen halten. Ich kann prüfen ob ein Angebot zu mir passt. Ich kann auch gehen ohne mich zu rechtfertigen. Das ist kein Trotz. Das ist Weidgerechtigkeit im Inneren. Erst nach innen sauber. Dann nach außen sauber.

    Ich habe das in den letzten Gedanken oft gesehen. Bleib deinen Werten treu. Jagdgelegenheit gehen oder bleiben. Werte und erstmal wird es ruhig. Das Ruhigwerden ist nicht das Ende. Es ist der Anfang. Aus der Ruhe entsteht Klarheit. Aus Klarheit entsteht eine Entscheidung. Und wenn die Entscheidung zu meinen Werten passt dann steigt mein Selbstwertgefühl.

    Selbstwert fühlt sich für mich anders an als Stolz. Stolz hängt schnell am Ergebnis. Ein Zuspruch. Ein Platz am Tisch. Eine Einladung. Selbstwert hängt an der Haltung. Ich kann ohne Applaus richtig handeln. Ich kann ohne Jagddruck ruhig bleiben. Ich kann ohne Revier trotzdem Jäger sein. Nicht nur auf dem Papier. Sondern im Verhalten.

    Wenn ich eine Jagdgelegenheit prüfe dann frage ich nicht zuerst was ich bekomme. Ich frage zuerst was es aus mir macht. Werde ich enger. Werde ich härter. Werde ich eitel. Oder bleibe ich ruhig. Bleibe ich aufmerksam. Bleibe ich weidgerecht. Wenn ich merke dass ich mich verbiege dann ist das ein Preis. Und dieser Preis ist oft höher als jeder vermeintliche Vorteil.

    Manchmal wird es dann wirklich ruhig. Außen passiert weniger. Es gibt keine neuen Zusagen. Kein schnelles Vorwärts. Das kann sich anfühlen wie Rückschritt. Für mich ist es oft ein Schritt auf festen Boden. Ich halte es aus dass es still ist. Ich lerne weiter. Ich übe weiter. Ich bleibe ansprechbar. Ich bleibe respektvoll. Und ich bleibe bereit. Nicht für jede Gelegenheit. Sondern für die richtige.

    Der Selbstwert steigt nicht weil ich mehr bekomme. Er steigt weil ich mich ernst nehme. Ich treffe Entscheidungen die ich vor mir selbst tragen kann. Ich lasse mich nicht treiben. Ich bleibe in Kontakt mit meinen Werten. Und genau das macht mich innerlich stabil. Auch wenn es äußerlich noch offen ist.

    Meine Erkenntnis ist klar. Wenn mein Handeln zu meinen Werten passt dann wächst mein Selbstwert. Nicht laut. Nicht plötzlich. Sondern zuverlässig.

    Wo in deinem jagdlichen Weg musst du gerade bei dir bleiben damit dein Selbstwert steigen kann?!

  • Erstmal wird es ruhig

    Erstmal wird es ruhig

    Wenn es still wird, merkt man erst, wie laut es vorher war. Nicht nur außen. Auch im Kopf. Plötzlich fehlt etwas. Ein Gespräch. Ein Termin. Eine Aufgabe. Und dann taucht die Frage auf, die man sonst gut überhören kann. Was bleibt, wenn es ruhig wird?

    Ruhig werden kann sich wie ein Rückschritt anfühlen. Als würde nichts passieren. Als wäre man raus. Als hätte man den Anschluss verloren. Ich kenne dieses Gefühl. Vor allem dann, wenn man gerade dabei ist, sich in eine Gemeinschaft einzufinden. Jagd hat viel mit Gemeinschaft zu tun. Mit Austausch. Mit Nähe. Mit Regeln und Menschen. Wenn das wegfällt, entsteht schnell der Gedanke, dass man scheitert.

    Für mich ist Ruhe aber eher ein Übergang. In der Ruhe zeigt sich, was wirklich trägt. Nicht die Termine. Nicht die Gruppe. Nicht das Dabeisein. Sondern meine Ausrichtung. Also das, woran ich mich innerlich halte. Meine Werte. Meine Haltung. Das, was bleibt, wenn keiner von außen etwas erwartet.

    Gerade als Jäger kann diese Phase schwer sein. Weil man Jagd oft mit Draußensein verbindet und mit gemeinsamer Zeit. Mit Gesprächen am Auto. Mit Absprachen. Mit jemandem, der sagt, was als Nächstes passiert. Wenn das fehlt, steht man auf einmal wieder bei sich selbst. Und das fühlt sich manchmal leer an, obwohl es eigentlich nur still ist.

    Ruhe ist nicht automatisch Einsamkeit. Ruhe kann auch Ordnung sein. Ordnung im Kopf. Ordnung im Blick. Ordnung in dem, was man will und was man nicht mehr will. Es gibt eine Art von Ruhe, die nicht wegdrückt, sondern aufräumt. Sie nimmt das Überflüssige raus. Und sie lässt das Übrige deutlicher werden.

    In dieser Zeit halte ich bewusst fest, an dem was bleibt. Nicht als Leistung. Sondern als Orientierung.

    Was lerne ich gerade.
    Was übe ich.
    Welche Gedanken kehren wieder.
    Welche Haltung wird klarer.

    Manchmal merkt man erst in der Ruhe, dass man vorher vieles gemacht hat, um sich nicht fühlen zu müssen. Um nicht nachdenken zu müssen. Um nicht entscheiden zu müssen. Und manchmal merkt man, dass Ruhe genau der Ort ist, an dem Entscheidungen reifen.

    Wenn ich ehrlich bin, ist die Ruhe für mich auch ein Test. Nicht im Sinne von bestehen oder durchfallen. Sondern im Sinne von Wahrheit. Bleibe ich bei dem, was mir wichtig ist, auch wenn keiner zuschaut. Auch wenn es keine Rückmeldung gibt. Auch wenn ich keinen Platz in einer Gruppe spüre. Wenn ja, dann trägt es wirklich.

    Und wenn nicht, dann zeigt mir die Ruhe, wo ich mich bisher nur an Dingen festgehalten habe, die von außen kommen. Dann kann ich nachjustieren. Ohne Druck. Ohne Eile. Aber klar.

    Zum Schluss eine Frage, die ich mir selbst stelle.

    Kannst du Ruhe aushalten?

  • Distanz und Werte. Warum Abstand auch Respekt sein kann

    Distanz und Werte. Warum Abstand auch Respekt sein kann

    Ich kann akzeptieren, dass jemand anders tickt. Aber ich muss nicht so tun, als wäre mir alles egal. Distanz kann Respekt sein. Nicht Kälte. Nicht Arroganz. Sondern eine klare Grenze, die niemanden klein macht.

    In der jagdlichen Gemeinschaft treffen verschiedene Prägungen aufeinander. Da ist Brauchtum. Da ist Tradition. Da sind Gewohnheiten. Da ist Leistungsdenken. Da ist Ruhe. Da ist Zurückhaltung. Das ist normal. Werte sind selten deckungsgleich. Jeder Mensch bringt seine Geschichte mit. Und jeder hat andere Maßstäbe.

    Problematisch wird es dort, wo von mir erwartet wird, meine Werte zu relativieren, nur damit es nach außen harmonisch bleibt. Dann entsteht ein stiller Druck. Man soll nicht so genau sein. Man soll es nicht so eng sehen. Man soll mitlachen. Man soll mitmachen. Man soll nicht ansprechen, was stört. Hauptsache, es bleibt ruhig.

    Genau da fängt für mich Distanz an.

    Distanz heißt für mich nicht, über andere zu urteilen. Distanz heißt, meine Grenze zu kennen. Ich kann freundlich bleiben, ohne innerlich mitzugehen. Ich kann zuhören, ohne alles zu übernehmen. Ich kann Respekt zeigen, ohne mich zu verbiegen.

    Ich versuche dabei, zwei Dinge sauber zu trennen.

    Ich respektiere den Menschen.
    Und ich entscheide, ob ich das Verhalten mittrage.

    Das klingt einfach, ist aber im Alltag oft schwer. Weil man dazugehören will. Weil man nicht als empfindlich gelten will. Weil man jung ist oder neu dabei ist. Weil man Angst hat, den Anschluss zu verlieren. Und weil man sich selbst manchmal erst spät merkt, dass man längst nachgibt.

    Für mich hilft es, auf kleine Signale zu achten.

    Werde ich stiller als sonst, obwohl ich etwas sagen müsste.
    Lache ich mit, obwohl ich es nicht richtig finde.
    Erkläre ich mir Dinge schön, nur damit es leichter wird.
    Merke ich, dass ich mich nach Treffen eher leer fühle als klar.

    Wenn solche Signale öfter kommen, dann ist Distanz keine Schwäche. Dann ist Distanz Selbstschutz. Und manchmal sogar der einzige Weg, respektvoll zu bleiben. Denn wer seine Grenze ignoriert, wird irgendwann hart. Oder zynisch. Oder explodiert. Distanz kann genau das verhindern.

    Distanz kann auch bedeuten, dass ich nicht alles bespreche. Ich muss nicht jede Haltung korrigieren. Ich muss nicht jeden Satz kommentieren. Manchmal reicht es, nicht einzusteigen. Manchmal reicht es, das Gespräch zu wechseln. Manchmal reicht es, weniger Zeit dort zu verbringen. Und manchmal ist es ehrlicher, klar zu sagen, was für mich nicht passt.

    Wichtig ist mir dabei, dass ich fair bleibe. Nicht moralisch überlegen. Nicht abwertend. Sondern klar. Ich kann Unterschiede stehen lassen, ohne mich selbst aufzugeben.

    Und damit komme ich zur Frage am Schluss.

    Woran erkennst du, dass du tolerant bist, ohne dich selbst zu verraten?